Ein Leben wie ein Film: Wie Rainer Deyhle, Sohn von Musical-König Rolf Deyhle, zum ersten Shaolin-Meister in Deutschland wurde.

Wie ein Shaolin-Meister sieht Rainer (38) nicht gerade aus. Statt Glatze und Kutte trägt er meist Anzug, Sonnenbrille und ein High-Tech-Handy. Eher Geschäftsmann als Mann Buddhas. Auch das Meisterhafte an ihm bleibt unsichtbar: Er könnte mit der Handkante locker einen Ziegelstein zerlegen oder mit dem Finger die Wand durchbohren. Rainer Deyhle ist Kung-Fu-Meister, Geschäftsführer von Deutschlands einzigem Shaolin-Tempel am Berliner Ku’damm – und der einzige gesetzliche Vertreter des Shaolin-Abtes in Europa. „Dazu kam ich wie die Jungfrau zum Kind“, lächelt der 1,90-Meter-Mann.

Seit 14 Jahren betreibt Rainer Kung-Fu. Übersetzt heißt das chinesische Wort: „Zeit, die ich investiere“.

Shaolin Rainer: „Der religiöse Aspekt hat mich damals nicht interessiert.“ Was dann geschah, grenzt an ein Wunder: Die Mönche nahmen ihn tatsächlich auf – als ersten Nicht-Asiaten in der 1500-jährigen Klostergeschichte. Monatelang teilte sich der Kung-Fu-Schüler mit seinem Lehrmeister eine einfache Hütte.

Shaolin — die wahre Kunst zu kämpfen

Das Kloster Shaolin liegt rund 600 km südlich von Peking am Fuß der Song-Shan-Berge. Es wurde um 495 n. Chr. erbaut. Um 527 n. Chr. traf dort Bodhidharma ein, der als 28. Nachfolger Buddhas angesehen wird. Der aus Indien stammende Mönch entwickelte im Shaolin-Kloster den Chan-Buddhismus (Japan.: Zen-Buddhismus) und den Kung-Fu-Kampfsport – zuvor hatte er jahrelang in einer Höhle meditiert und dabei Dehnungs- und Selbstverteidigungsmethoden praktiziert, die er sich zum Teil von Tieren abguckte. Heute gibt es weltweit nur noch 150 echte Shaolin-Mönche, sechs von ihnen leben und lehren zurzeit im Berliner Tempel. Ihre Kampfkunst basiert auf einer Mischung aus seelischer Stärke (chinesisch: Qi) sowie Kraft, Ausdauer und Abhärtung. Die Mönche leben vegetarisch und enthaltsam – sie gelten als die besten Kämpfer der Welt.

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