Die verschiedenen Väter

Vor einiger Zeit saß ich in einem Kaffeehaus in Stuttgart am Schlossplatz, draussen in der Mittagssonne.

Eine ältere Dame fragte, ob der zweite Stuhl noch frei sei, ich bejahte, sie setzte sich, wir kamen ins Gespräch.

Sie sagte sie sei Christin, ich sagte ich bin Buddhist.

‚Oh, das sind ja die Egoisten, die sich immer nur um sich selbst kümmern‘ sagte sie, ich war verwundert.

Wie sie denn auf die Idee käme, fragte ich.

‚Ja, im Buddhismus gehe es ja um die Erleuchtung, also seinen Buddhisten Egoisten‘. Ich wurde grantig, es entwickelte sich ein Streitgespräch, bei dem es (wie bei den meisten Streitereien) keinen Gewinner gab, jeder hatte seine Meinung, wir trennten uns höflich aber wurden keine Freunde.

Die Essenz einer Religion ist es nicht sich zu streiten, sondern sie sollten Harmonie erschaffen.

Wollte die Dame mir sagen ihre Religion sei besser als die meine? Was waren ihre Beweggründe?

Und warum wußte sie nicht dass Buddha keinesfalls ein Gott war? Und weshalb hat sie mich überhaupt wegen meiner Aussage ein Buddhist zu sein angegriffen?

Und überhaupt, ich sehe Buddha als meinen Vorfahren an, als meinen Vater. So wie sie wahrscheinlich Jesus als ihren Vater sieht.

Also, warum respektieren sich die Kinder der verschiedenen Väter nicht mehr, warum gibt es keinen Frieden zwischen den Religionen? Mein Vater ist besser wie der deine?

Wenn wir gerade bei den Väter sind, was wäre wenn mein leiblicher Vater ein bettelnder Penner auf der Straße wäre? Trotzdem ist er dann mein Vater, sich über ihn negativ auszulassen wäre auch nicht gerade hilfreich, und wahrscheinlich auch verletzend.

Wenn Jesus, Allah und Buddha am selben Tisch sitzen würden, jetzt gerade, über was könnten sie sprechen? Würden sie streiten? Sich über die Kinder der beiden Anderen lustig machen?