Der Berg vor meiner Tür

Es war einmal ein Mann, der lebte abgeschieden, direkt am Weg zwischen einem wunderschönen Berg und der nächstgelegenen Stadt.

Wenn der Mann vor die Tür ging sah er den Berg, betrachtete ihn lange und genau, erfreute sich an der Anmut, der Ausstrahlung und der Vornehmheit des stillen Riesen, weit in der Ferne. Die Anhänge strahlen in leuchtendem Grün, die mittleren Lagen erscheinen steinig und bräunlich, der Gipfel majestätisch und schneebedeckt. Er sah den Pfad, der sich von seinem Haus bis zum Fuss des Berges durch die unberührte Natur zog, sah vereinzelte Menschen dort laufen, sah wie das Wetter sich veränderte, manchmal regnete es, schneite es, die Sonne schien. An einigen Tagen war der Gipfel im Nebel verborgen, manchmal leuchtete der Schnee grell von der Sonne.

Können Sie den Berg und den Weg dorthin in ihrem Inneren sehen? Schließen Sie die Augen und lassen Sie sich von seiner   Eleganz in den Bann ziehen.

Jeden Tag dachte der Mann sich: ‚eines Tages steige ich auf den Berg, ich muss nur noch dies und jenes erledigen‘.

Reisende kamen an seinem Haus vorbei und machten bei ihm Rast, erzählten vom Berg, waren entweder auf dem Weg zum Berg, oder kamen von dort zurück.

Die Einen erzählten dass sie jetzt den Berg besteigen wollen, warum sie sich auf den gefährlichen Weg machen, was sie glauben zu erwarten. Sie berichteten dem Mann von den Vorfreuden der Besteigung, sie erzählten ihm von ihrer Heimat, von ihren Lieben zuhause.

Die Anderen kamen vom Berg zurück, erzählten vom beschwerlichen Aufstieg, den Gefahren unterwegs, von der unbeschreiblichen Freude am Gipfel zu sein, von der unglaublich schönen Aussicht ins Tal, wie weit der Blick schweifen kann, welche Reisebegleiter ihnen begegneten, wie die Pläne für die Zukunft sind, was ihnen der Berg und die Besteigung bedeutet.

Der Mann hörte alle Geschichten geduldig an, bewirtete die Reisenden, manche blieben länger, andere verweilten nur kurz, manche gingen einfach an seinem Haus vorbei.

Jeden Abend plante der Mann morgen, ja morgen, werde er sich auch auf den Weg machen, den Berg besteigen, die Aussicht geniessen, am Gipfel verweilen.

Als er aufwachte wollte er dann nur noch schnell etwas erledigen. Schließlich ist der Berg morgen auch noch da.

Der Weg ist das Ziel!