Der Begriff „Achtsamkeit“ ist schon beinahe zu einem Synonym für „Buddhismus“ geworden, unzählige Ratgeber zum Thema sind erschienen, Schulungen zu einem „achtsamen“ Lebensstil sind voll im Trend. Heute werden viele „Achtsamkeitsübungen“ unter dem Oberbegriff „Buddhismus“ unter die Leute gebracht.

 

Im buddhistischen Sinn bedeutet „Achtsamkeit“ die auf den aktuellen Moment fokussierte Aufmerksamkeit, einen besonderen Wahrnehmungs- und Bewusstseinszustand, eine den Geist, den Körper und die Gefühle betrachtende, meditative Praxis.

 

„Rechte“ Achtsamkeit ist der 7. Teil des Edlen Achtfachen Pfades aus der Lehre Buddhas, und bedeutet: achtsam sein auf den Körper, auf die Empfindungen und Gefühle, auf Geisteszustände und Gemütsverfassung, auf Ideen, und auf die wahre Natur der Dinge.

 

Was ist jetzt aber genau unter „Achtsamkeit“ im täglichen Leben zu verstehen, wie kann man Achtsamkeit erleben?

 

Wir leben unser Leben dann achtsam, wenn wir unseren Fokus auf die Dinge legen, die wir in diesem Moment tun, nicht abschweifen, NICHT werten, wenn wir frei von Vorstellungen sind. Idealerweise kombiniert mit deutscher Disziplin und Gründlichkeit.

 

Wenn wir z.B. unsere Wohnung putzen, dann wischen wir nicht einfach schnell „darüber“, nein, wir nehmen jedes einzelne Stück bedacht in die Hand, reinigen es gründlich, und stellen es dann wieder an seinen Platz, achtsam und in Ruhe. Ähnlich den Ansichten der „Aufräumexpertin“ Marie Kondo, die in der Unordnung „im Zimmer“ eine Entsprechung der Unordnung „im Herzen“ sieht, widersprechen sich Unordnung und Achtsamkeit in meinem Weltbild völlig.

 

Wenn wir z.B. ein Auto fahren, dann gehört die volle und absichtliche Konzentration dem Fahren, nicht etwa dem Telefonieren, oder dem Trinken oder Essen, nein, dem Fahren.

 

Wenn wir etwa unsere Arbeit machen, dann liegt unser Ansinnen völlig bei der momentanen Aufgabe, nicht bei anderen Dingen.

 

Achtsamkeitsübungen und Achtsamkeitsmeditation sind ein guter Weg, um unsere Aufmerksamkeit zu schulen (siehe hier).

 

Wichtig ist jedoch, „Achtsamkeit“ nicht nur in einer Meditation zu üben, sondern sie im täglichen Leben anzuwenden. Und wenn möglich, dann auch so oft es geht; achtsam durch das Leben gehen, das sollte ein Grundprinzip im Leben jedes Einzelnen werden, dann wäre diese Welt auch ein deutlich besserer Ort.

 

Es gibt die Geschichte über einen Chan-Lehrer, der seinem Schüler folgende Aufgabe stellte: der junge Mann sollte eine Liste all der Menschen erstellen, gegenüber denen er sich ungerecht verhalten hatte. Die einzelnen Namen musste er auf jeweils eine Kartoffel schreiben, diese in einen Sack packen, und den Sack eine Woche lang mit sich herumtragen. Im Laufe der Woche wurde der Sack schwerer und schwerer, die Kartoffeln fingen an zu stinken, der Rücken schmerzte. Als sich die Beiden wieder trafen fragte der Lehrer, was denn nun die Lehre aus der Aufgabe wäre. Der Schüler antwortete, dass er in Zukunft achtsamer im Umgang mit Menschen, Tieren und Dingen sein werde, der Sack sei ihm zu schwer.

 

Wie schwer wäre Ihr Sack? Wie viele Namen fallen Ihnen ein?

Es gibt eine Vollkommenheit tief inmitten aller Unzulänglichkeit. Es gibt aber auch eine Stille tief inmitten aller Ratlosigkeit

– Buddha –