In einer wohlhabenden Stadt lebte einst ein reicher Mann. Er hatte viele Geschäfte, fast an allen Bereichen des wirtschaftlichen Lebens war er beteiligt, keinen guten Handel ließ er aus.

 

Sein Vermögen bewahrte er in einer grossen Geldkasette im Schrank seines Hauses auf, täglich öffnete er sie, betrachtete seine Münzen, dachte über die gewinnbringenden und vergangenen Transaktionen nach, wenn er sein Vermögen anschaute wurde ihm ganz „warm ums Herz“.

 

Als er eines schönen Tages nach einem langen, arbeitsreichen Tag zurück in sein Haus kam hatte er schon an der Tür ein schlechtes Gefühl. Sofort merkte er, dass etwas nicht so war wie es sein sollte, Angst stieg in ihm auf, er rannte zu seinem Schrank, der stand weit geöffnet, die Kassette war weg, man hatte ihn bestohlen. Da wurde er rasend vor Wut, er rief nach seiner Frau, nach den Kindern, keiner wußte etwas, alle waren über den Tag nicht im Haus gewesen.

 

Es kam die Polizei, die Nachbarn, jeder seiner Freunde, alle sprachen ihm Trost zu, aber nichts konnte sein Unglück mildern, hatte er sich doch immer so sehr an seinen Münzen erfreut.

 

Einer seiner Freunde aber sagte etwas von buddhistischer Weisheit zu ihm, erst fragte er: „hattest du denn Verwendung für deinen Reichtum“? „Nein“, erwiderte der Bestohlene, „ich habe aber mein Geld immerzu so gerne betrachtet“. „Dann“, so sagte der Freund, „dann betrachte doch einfach den geschlossenen Schrank und stelle dir vor, dass die Kasette noch darin ist“!

 

„Was geht es dich an, durch wen es der, der es dir einst gab, von dir zurückforderte“?

Epiktet – Römischer Sklave – 50 bis 138

 

Reichtum ist so eine Sache. Wer ist reich, wer ist arm? Ist vielleicht ein Bauer mit einem ganz kleinen Hof ein reicherer Mann als ein millionenschwerer Bankier, wenn der Bauer geliebt wird, der Bankier aber nicht?

 

Und ist nicht etwa das Fehlen von Leid der wahre Reichtum im Leben eines Menschen? Ganz so wie es uns Buddha vorgelebt hat?

 

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen und da die Diebe nachgraben und stehlen

– Bibel –

 

Immer mehr Vermögen anhäufen, macht das glücklich?

 

Ich sage: NEIN

 

Sicherlich, Geld macht unabhängig, es gibt eine gewisse Sicherheit, Dinge können gekauft, manche Ideen können mit Geld umgesetzt werden, aber wirkliches Kapital ist nicht materiell, wahrer Reichtum liegt in Glück, Liebe, Harmonie, Zufriedenheit, Erfolg, Gesundheit, Gelassenheit und in der Familie.

 

Ich persönlich möchte nicht viele Dinge „besitzen“, ich habe meine Freude wenn ich sie manchmal „benutzen“ kann. Ein schönes Auto mieten, über das Wochenende, und dann das Auto wieder zurückgeben, das macht mir mehr Spaß. In einem schönen Hotel ein paar Tage wohnen, das finde ich viel besser als eine Ferienwohnung zu besitzen.

 

Aber noch viel besser finde ich, wenn ich in einem ganz kleinen Wagen fahre (egal wem er gehört) und neben mir ein Mensch sitzt, der mich wirklich mag. Oder beim Besuch in einer anderen Stadt auf dem Sofa eines guten Freundes schlafen kann, das macht mich zufrieden.

 

Ist das Maisfeld fern vom Haus, fressen die Vögel die Frucht

– Sprichwort –

 

Ich denke auch gerne an mein Vermögen, das ich im Schrank aufbewahre, ich öffne aber nie die Tür!