Das deutsche Wort „Erleuchtung“ entstammt aus dem Sanskrit-Begriff ‚Bodhi‘ und bedeutet übersetzt Erwachen.

Mit Licht, oder einer Erfahrung mit Licht, hat ‚Bodhi‘ wenig zu tun, vielmehr geht es dabei um das Erwachen aus der traumhaften Welterfahrung eines Jeden, aus dem Verlassen einer falschen Betrachtung der Wirklichkeit.

Falsch ist die Auffassung allen Seins vor dem Erwachen, weil die Menschen ihr Selbst als getrennt von ihrer Wahrnehmung empfinden, und die Vergänglichkeit und Leere nicht erkennen. Ein Beispiel wäre hier, dass der Laptop auf dem ich diese Zeilen schreibe (so wie auch mein Körper und alles in diesem Raum) in hunderttausend Jahren komplett zu Staub zerfallen sein wird, also keine wirkliche Substanz hat.

Unter Erleuchtung verstehe ich persönlich, dass mein Selbst zusammen mit anderen Subjekten und Objekten in Harmonie zu einer Einheit wird. Ich rede nicht von meinem Körper, sondern von mir.

Mein Körper, mein Kopf, meine Arme, meine Beine, meine Hände, meine Füße, das gehört zu mir, das bin nicht ich.

Wo und wer bin dann aber ich?

Genau um diese Frage geht es beim ‚Erwachen‘, und wenn die Antwort so einfach wäre hätte schon der historische Buddha uns eine Gebrauchsanweisung hinterlassen, mit der wir ‚einfach und schnell‘ Erleuchtung finden können. Aber das hatte Buddha eben nicht getan, da die Erleuchtung ein sehr persönlicher Akt, das Finden des eigenen Selbst ein sehr individueller Vorgang ist.

Stellen Sie sich das Leben vor wie in ihren Träumen. Immer sind Sie mit im Bild, Sie sehen sich im Traum selbst. So wie Sie sich im Traum selbst betrachten, so sieht ihr wirkliches Ich ihren Körper, die Dinge, die Sie tun, die Menschen die Sie treffen, die Begebenheiten und Orte um Sie herum.

Also ihr wirkliches Selbst, nun müssen Sie es „nur noch“ wiederfinden!

Zu kompliziert sagen Sie?

Nein!

Oft höre ich, dass die Erleuchtung durch Meditation erreicht werden könnte. Dagegen spricht aber, dass selbst der Buddha durch Meditation keine Antwort auf seine Fragen gefunden hat, sondern erst als er das Suchen und Streben aufgab, komplett am Ende war, keine Möglichkeit mehr sah, nichts mehr wollte, sich vollkommen versunken unter einen Baum setzte, nichts mehr tat, gar nichts mehr begehrte, als alle Furcht und alle Hoffnung von ihm abfiel, kein Wollen und kein Machen seine Handlungen lenkte, da geschah was anders nicht hätte geschehen können, beim Anblick des Morgensterns erfuhr er Erleuchtung.

Er sprach: ‚Ich und die große Erde und alle Lebewesen haben gemeinsam Erleuchtung erlangt‘.

Es bedurfte für seine Erleuchtung allerdings einer Grenzerfahrung, die Leere war Voraussetzung, das Ende allen Begehrens.

Selbst wenn ein Mensch reif ist für das ‚erleuchtete Begreifen‘ braucht es oft noch einen Anlass zum Durchbruch, eine Art Zündkerze. Dies kann etwa wie beim historischen Buddha das Funkeln des Sterns, es kann aber auch ein Geräusch, ein Duft oder ein anderes Stimulans sein.

Meist ist das Erwachen begleitet von einem harten Realitätswechsel, die Energien ändern sich wahrnehmbar, die Persönlichkeit bildet sich neu. Das Ego fällt von einem ab wie ein altes Kleid, man ist dieselbe Person, aber nicht mehr der Mensch der man war.

Liebe und Frieden breitet sich als Gefühl aus, man handelt nun nicht mehr aus Egoismus, man will nicht mehr recht haben um des Rechthabens willen, man ist mit allem und jedem im Einklang.

Man hat alles, man braucht nichts, man erkennt, dass man bisher das ganze Leben verschlafen hat.

Wer will erwachen?

Wollen Sie Erleuchtung erreichen?